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Vier Lehrerinnen, Dagmar Rösler (Präsidentin vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz) und Patrick Keller (Präsident KLV St. Gallen), beide auch im Schuldienst tätig, sowie Dr. phil. Lars Mohr (Senior Lecturer an der HfH Zürich) erzählen, was für sie guter Unterricht ausmacht.
Eines haben sie gemeinsam: Ein hohes Mass an guter Beziehung zu den Lernenden. Sie zeigen, wie sie die Beziehungsgestaltung im Unterricht umsetzen. Zudem geben die Lehrpersonen aus allen Schulstufen wichtige Tipps, wie Eltern ihre Kinder beim Lernen unterstützen können.
Die Lehrpersonen schildern von ihrer Kindheit und wie sie selbst die Schule erlebt haben. Das Buch ist ein Praxisbericht, nah, empathisch und lebendig. Das Buch ist aus zwei weiteren Gründen lesenswert: Beat Kaufmann, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP erklärt die Bedeutung der Bindungsentwicklung und der Beziehung. Dieter Rüttimann, Prof. (ZFH) und Lehrer an der Gesamtschule Unterstrass ordnet die Wichtigkeit der Beziehungsgestaltung in der Schule ein.
Melania ist nicht hässlich. Das soll aber nicht heissen, dass die 24-jährige Blondine hübsch ist. Wenn sie die Avenues in Texas entlangläuft, meiden die Jungs den Flirt nicht, was aber nicht bedeutet, dass sie sich immer nach ihr umdrehen. Melania ist nicht gross gewachsen und hat nicht speziell kurze Beine. Wenn sie nach ihrem Gewicht gefragt wird, sagt sie: «Ich bin kein Fliegengewicht, aber ich kämpfe auch nicht mit den Pfunden.» Wenn sie Liebe macht, schützt sie sich wie viele Frauen mit der Hormonspirale, was aber nicht besagt, dass trotz Spirale bei zwei von tausend Frauen mal was schief läuft. Melania ist also, so kann man getrost festhalten, von prächtigem Mittelmass.
Melania sitzt in Doktor Whites Wartezimmer. Das Herz pocht und sie drückt sich mit dem Taschentuch eine Träne weg bei all den schweren Gedanken. Bereits seit drei Monaten ist ihre Monatsblutung ausgeblieben. Trotz Hormonspirale! Und um ganz sicher zu sein, gibt es für ihren Freund Donald kurz vor dem Eisprung keine Betteskapaden. Der Hengst bekommt an diesen Tagen keinen Auslauf. Er muss, ob er will oder nicht, im Stall bleiben.
Melania ahnt Schlimmes im Wartezimmer und glaubt, dass sie zu den Frauen gehört, die trotz Spirale in andere Umstände gekommen ist. Melania weiss nicht, ob ihre und Donalds Eltern so entzückt wären, wenn sie wüssten, dass sie, die Auserwählte, befleckt in die Ehe ginge. Melania wird es schwer ums Herz.
Ein «die Nächste bitte» reisst sie aus ihren Gedanken. Sie riecht das Desinfektionsmittel, das sich nach dem Öffnen der Praxistüre ausbreitet. Die Frau neben ihr steht auf. Doktor White lächelt Melania zu, als ob er ihr sagen will: «Hättet ihr besser aufgepasst, würdest du nicht im Wartezimmer sitzen.» Röte schiesst ihr ins Gesicht. Als die Bürger von Texas abstimmen konnten, waren ihre und Donalds Eltern für das Abtreibungsverbot. Bei diesem Gedanken schäumt sie vor Wut.
Wie konnten die Eltern so bescheuert sein? Recht auf Leben. Welches Recht? Für das Baby im Bauch? Für das Recht der Frau, die nicht bereit ist für ein Baby? Sicher nicht. Das Studium könnte sie an den Nagel hängen und Donald müsste endlich mal Geld verdienen. Vielleicht würde er sich wegen des Babys trennen, wie so viele, und später, eine andere nehmen.
Ihre Gedanken bleiben bei Donald. Die Buchstaben des Namens fliessen sanft über die Zunge. Donald, Don - ald. Schliesslich, sie schmunzelt, steckt im Namen Donald ein ehrwürdiges Don, das aus dem lateinischen kommt und Dominus heisst, das so viel wie Herr oder Hausherr bedeutet. Irgendwie passt das zu ihrem süssen Donald.
Kürzlich, es treibt ihr Schweiss auf die Stirn, schnitt er sich beim Nassrasieren in die rechte Wange. Zwei Blutstropfen rannen ihm bis zum Kinn hinunter. Er reckte den Kopf, sah grimmig zu mir, hob die Faust und wirkte unwiderstehlich, ja heroisch.
Der ätzende Geruch aus dem Behandlungszimmer reisst sie aus den Träumen und steigt ihr in die Nase. Melania hebt den Kopf und schaut die anderen Patientinnen an. Sind die alle wegen einer Hormonspirale bei Dr. White? Nein, die Frau mit der runzeligen Gesichtshaut sicher nicht. Oder doch? Melania erinnert sich zwar an einen Bericht aus einer Zeitschrift, dass María del Carmen Bousada de Lara die weltweit älteste Frau war, die mit 66 Jahren Mutter wurde.
Nein, das mit den Kindern muss sie sich erst gut überlegen. Kinder sind eine Umweltbelastung, Erwachsene ebenso.
Melania ist nicht dumm, kann rechnen, und wie, aber das will nicht heissen, dass sie genau lesen kann und die Nebenwirkungen der Hormonspirale studiert hat: Unterleibsschmerzen, Kreislaufstörungen, Schwindel oder kurzzeitige Bewusstlosigkeit können das tägliche Leben beeinträchtigen, steht auf dem Beipackzettel.
Gehört sie zu den zwei Frauen mit Spirale, die auf tausend schwanger werden? Die Frage quält sie. Raubt ihr den Schlaf. Nein, nein, nein. Für Melania ist eines klar: Wird sie schwanger sein, bucht sie einen Flug in den Bundesstaat New York, wird zu Hause sagen, sie plane einen Uni-Wechsel und wird dort einen Arzt aufsuchen.
Als Melania am Tag nach dem Arztbesuch bei Dr. White in Texas die Avenues entlangläuft, meint sie wahrzunehmen, dass viele Menschen über sie lachen. Gestern noch dachte sie, sie wäre schwanger trotz Hormonspirale. In wenigen Fällen, so Dr. White, kann nach anfänglich verstärkter Monatsblutung die Blutung abnehmen oder, so Dr. White wörtlich, teilweise ganz ausbleiben. Doch das will aber nicht heissen, dass die Blutung, dem Himmel sei Dank, später wieder einsetzen wird.
Wenn Melania gefragt wird, ob sie sich einmal ein Baby wünscht, sagt sie: «Klar, am liebsten 1,66 Kinder. Aber erst mit 26,4 Jahren.» Melania ist also, so kann man festhalten, prächtiges Mittelmass.
Gepard trifft in der Lischana
auf Bären und Schmetterling
Zur Lischana wählt Hediger, wie kann es anders sein, den direkten, steilen und steinigen Weg. Es ist ein herrlicher Tag im Juli, die Sonne lädt zum Wandern ein, Kühe grüssen mit ihrem langen Muh, als ob sie mit Hediger per du wären. Beschwingt plätschert ein Bergbach ins Tal hinunter. Hediger, 51, fühlt sich wie 35, also stark wie ein Stier, flink wie ein Gepard und leicht wie ein Vögelchen.
3 Stunden 30 Minuten. Das ist die Zeit, die Hediger bis in die Lischana oberhalb Scuol braucht, inklusive dreier Stopps. Eine gute Zeit, sport-lich halt, 16 Jahre jünger, so denkt er. Er unterbietet, nicht weltbewe-gend, doch immerhin, die Richtzeit für die Wanderung. Zugegeben, in der Hütte angekommen, zwickt die Wade, die Finger sind geschwollen, die Muskeln übersäuert und die Lunge leer, wie ein Ballon, dem die Luft entwich.
«Äs Grosses, Hells», ruft er sitzend an der Sonne der Hüttenwartin zu.
«Wars anstrengend? Du siehst erschöpft aus», stellt sie fest.
«Den Aufstieg hätte ich noch vor dem Frühstück geschafft.»
Sie sagt: «Essen 18 Uhr. Du musst pünktlich sein. Platz gibt es am Stammtisch.»
«Okay. Und wo ist das Schlafzimmer?»
«Massenschlag, oben rechts.»
«Aber auf der Website....»
«Alle Einzel- und Doppelzimmer sind ausgebucht. Ach ja, zum Duschen gibt’s nur kaltes Wasser, der Boiler ist defekt.»
«Aber, wie soll das....» Sie ist bereits weg.
Nachdem sich Hediger im Massenschlag eingerichtet hat und einen müden Blick in den Waschraum geworfen hat, setzt er sich an den Stammtisch. Zwiebelsuppe, Älplermakaronen, und Schokoladencrème aus der Büchse. Für Feinschmecker, hiess es auf er Website. Crème aus der Büchse mag er nicht und Zwiebeln provozieren unangenehme Geräusche. Und das im Massenschlag! «Äs Grosses Hells no!», ruft er.
Neben ihm sitzen ein Bär eines Mannes und vis ä vis ein Schmetterling einer Frau. Hediger sackt zusammen, fühlt sich eher wie ein Kälblein als ein Stier und senkt den Blick auf die Makaronen.
«2 Stunden 14 haben wir noch nie geschafft», sagt der Schmetterling.
«Meine Trailrunning Schuhe sind einfach geil», meint der Bär.
«Trail... was?», fragt Hediger.
«Ja die Schuhe, um in den Bergen zu joggen. Musst du ausprobieren, echt krass», sagt der Bär.
«Ah, Jogging Schuhe, habe ich auch», antwortet Hediger und stochert in den Älplermakaronen.
«Bist wohl nicht aus der Gegend», sagt der Schmetterling.
«Zürich», so Hediger.
Der Bär greift nach seinem Handy und der Schmetterling schaut ge-langweilt aus dem Fenster.
Wenn ich, so denkt Hediger, mich gleich nach dem Essen erfrische, werde ich sicher allein sein, quasi wie zu Hause, Lavabo, Spiegel, WC und Dusche für mich allein. Er spürt kurz ein wohliges Gefühl. Er geht ins Zimmer, packt seinen Schlabbertrainer aus, nimmt das Toilettenetui und begibt sich zum Waschraum. Gleich schlägt das Gefühl in Bitterkeit um, als Kindergeschrei aus dem Waschraum dringt und beim Eintreten ein Wasserspritzer auf seiner Wange landet. Seine Tochter Anna war nie so wild wie diese Jungs. Schnell schruppt er die Zähne, den Rest erspart er sich.
Auf der Matratze sitzend, mit gekrümmtem Rücken, studiert er die Kar-te, denkt, der Bär und der Schmetterling seien nach den 2 Stunden 14 sicher müde und würden ausschlafen. Er versöhnt sich mit dem Ge-danken, dass er immerhin, Bär und Schmetterling hin oder her, flink wie ein Murmeltier als erster den Rucksack packen würde.
Die Familie mit den beiden Knaben betten sich im Massenschlag ge-mütlich in den unteren Betten ein, als plötzlich ein Lichtstrahl durch die offene Tür mitten in Hedigers Augen zündet.
«Ouh, sorry, sorry, das wollte ich nicht», sagt der Schmetterling und riecht nach Alkohol. Der Bär stolpert über Hedigers Rucksack und flucht.
«Bin gleich soweit», kichert der Bär und schlüpft unter die Decke. Der Schmetterling folgt ihm und als Hediger sich freut, dass endlich Ruhe einkehrt, vernimmt er von dem jungen Paar plötzlich ein Geräusch, das er so gar nicht in einem Massenschlag vermutet, eher in einem Schlaf-zimmer, wo niemand zuhört, also einem Raum, der kuschelig, gemüt-lich und angenehm warm ist und keine kratzigen Wolldecken hat.
Unweigerlich schweifen Hedigers Gedanken zu Lara, seiner Ex, als sie noch verliebt waren, nicht von sich lassen konnten und er ihr Blumen auf den Arbeitstisch stellte und sie sich lachend mit einem lauten Kuss bedankte. Doch das ist lange her. Vorbei und aus. Schluss. Ende. Heute leben sie getrennt. Unüberwindbar schienen die Probleme während seiner Krise.
Am Morgentisch trinkt Hediger einen Kaffee. «Du bist spät dran, ich wollte schon abräumen», frotzelt die Hüttenwartin. «Ich musste mit der Sekretärin noch Geschäftliches regeln», flunkert Hediger. Schmetterling und Bär waren bereits unterwegs zum Piz Lischana, wie er vernimmt.
Ihm soll es recht sein, schliesslich ist er 51 und nicht 35. Es kommt ihm sein Herz und Dr. Schaub in den Sinn. Einatmen - ausatmen. Er erin-nert sich, dass Murmeltiere nicht nur flink sind, sondern auch einen ausgedehnten Winterschlaf machen, ist eine Eigenschaft, die ihm sym-pathisch wird. Nun denkt er an Bär und Schmetterling und die nächtli-chen Geräusche, an Lara und wie er sie im Kino kennenlernte und heu-te so schmerzlich vermisst. So bestellt er sein erstes Frühschoppenbier und schaut zum Piz Lischana.
Artikel von Franz Kaspersky auf SRF 27.Mai 2023
Vom Schicksal getroffen - «Reiche Schweiz, arme Menschen»: (über)leben mit wenig Geld
Armut grenzt aus und macht krank. Der Publizist Bruno Fuchs beleuchtet in seinem Buch «Reiche Schweiz, arme Menschen» elf Schicksale von Menschen am Rand der Gesellschaft, die jeden Franken umdrehen müssen.
SRF 1, Sendung Kulturplatz vom 17. Mai 2023, 20.25 Uhr
Das Schweizer Fernsehen begleitet den Autor ins Engadin zu einer Protagonistin aus dem Buch. Auf dem Bild unten liest der Autor der Protagonistin aus dem Buch vor.
Link zur Sendung:
https://www.srf.ch/play/tv/kulturplatz/video/lukas-baerfuss-im-gespraech-1?urn=urn:srf:video:375de0bc-3d41-499f-9492-6bfa8f515391
Anzeiger von Uster und Zürcher Oberländer vom 14. Februar 2023
Buchpräsentation
Tages-Anzeiger Magazin vom 26. November 2022 von Bruno Fuchs
SI Job Talk – Berufslehre oder akademische Laufbahn
«Junge Leute sind schlauer als die ältere Generation» (Blick)
Bruno Fuchs
Bruno Fuchs, Mitglied des Verbands.....
“ICH SCHREIBE, ALSO BIN ICH”